Wie wird Liquidity Mining (DeFi) in Luxemburg besteuert?

Wie wird Liquidity Mining (DeFi) in Luxemburg besteuert?

Was ist Decentralized Finance (DeFi)?

Parallel mit dem immer größeren Interesse an Crypto currency werden Decentralized Finance (DeFi) immer beliebter. Unter DeFi versteht man ein spezielles Ökosystem im Blockchain-Bereich, welches digitale Finanzdienstleistungen ermöglicht. Eine Explosion der DeFi Crypto currency ist seit Februar 2021 zu verzeichnen mit mehreren tausend Prozent Wertsteigerungen.

Meist basierend auf der Blockchain Ethereum können dezentrale Applikationen (DApps) geschaffen werden, welche speziell auf den Finanzsektor ausgerichtet sind und die mit Hilfe von sog. Smart Contracts (automatische Computercodes) ausgeführt werden. Zuletzt ist auch ein sehr starker Anstieg auf der Binance Blockchain für DeFi zu verzeichnen.

Die Besonderheit dabei ist, dass diese DApps nach Belieben programmierbar sind. Verschiedene Bausteine können zusammengefügt werden wie in einem Lego Kasten. Sobald die DApp auf der Blockchain implementiert ist, läuft sie je nach Ausgestaltung unabhängig und dezentral.

Der DeFi-Boom ergibt sich nicht zuletzt auch aus der sehr starken Popularität des Liquidity Mining.

Wie funktioniert Liquidity Mining?

Eine Möglichkeit für Investoren, auf den dezentralisierten Börsen (DEX) Profit zu erwirtschaften, bietet das sog. Liquidity Mining. Darunter versteht man einen Mechanismus, bei dem Investoren ihre Crypto currency in einen Pool investieren und einer dezentralen Börse (DEX) zur Verfügung stellen. Für die Bereitstellung der Crypto currency werden die Anbieter dadurch belohnt, dass sie z.B. einen Teil der Gebühren ausgezahlt bekommen, die auf dem Marktplatz durch Transaktionen angefallen sind. Zusätzlich kann aber auch eine Ausschüttung von Governance Tokens diverser Plattformen als Belohnung stattfinden. Governance Tokens gestatten den Inhabern Mitwirkungsrechte innerhalb einer DeFi-Plattform (z.B. Abstimmungsrechte über die zukünftige Entwicklung der Plattform). Diese Belohnungen können wiederum dazu genutzt werden, um weitere Gewinne auf diversen DeFi-Plattformen zu erwirtschaften. Mittlerweile gibt es viele verschiedene DeFi-Plattformen für das Liquidity Mining, wie z.B. Uniswap, Curve, oder Aave.

Liquidity Mining am Beispiel von Uniswap

Nutzer der DeFi-Plattform Uniswap stellen Handelspaare in Form von verschiedenen Crypto currency dem Liquidity-Pool zur Verfügung (z. B. ETH/USDC, ETH/DAI). Jedes Mal, wenn Liquidität in einen Pool eingezahlt wird, werden Governance Tokens (UNI-Tokens) im Verhältnis zu der Menge an Liquidität, die in den Pool eingebracht wurde, an den Anbieter ausgeschüttet. Zusätzlich werden bei jedem Handel durch die Plattform Gebühren erhoben, die anteilig an alle Liquiditätsanbieter verteilt werden. Der Benutzer kann die Gebühren schließlich einfordern, wenn er seine Handelspaare aus dem Pool zurücknimmt.

Drei Zeitpunkte für Besteuerung von Liquidity Mining relevant

Aufgrund der Neuartigkeit des Liquidity Mining gibt es zu diesem Zeitpunkt weder eine klarstellende Rechtsprechung noch eine Stellungnahme von der luxemburgischen Steuerverwaltung zur steuerlichen Behandlung von Liquidity Mining. Daher wird zur steuerlichen Behandlung in Luxemburg auf die steuerliche Behandlung in Deutschland angeknüpft und im nachfolgenden näher eingegangen.

Aufgrund des Mechanismus des Liquidity Minings sind für die steuerliche Beurteilung drei verschiedene Zeitpunkte entscheidend:

1. Hingabe der Tokens

Als Erstes ist die Hingabe der Handelspaare in den Pool für die Besteuerung ausschlaggebend. Das Hinzufügen von Handelspaaren in einen Liquidity-Pool stellt steuerlich gesehen einen Verkauf des Paares dar. Dies führt dazu, dass eine Veräußerung im Sinne von § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG in Deutschland vorliegt. Gewinne sind hier zu versteuern, wenn der Verkauf der Handelspaare innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr liegt. Hat man die Crypto currency bereits länger als ein Jahr gehalten, sind die Gewinne hingegen steuerfrei. Würde man diese steuerliche Betrachtungsweise für Luxemburg analog anwenden, dann würde eine Veräußerung im Sinne von Artikel 99 iVm Artikel 99bis Luxemburgisches Einkommensteuergesetz (LEStG) anzunehmen sein. Eine luxemburgische steuerliche Behandlung wäre entsprechend der luxemburgischen Spekulationsfrist von 6 Monaten zu betrachten sein.

2. Teilnahme an der Gewinnausschüttung

Für die steuerrechtliche Beurteilung sind ebenfalls die Gewinnausschüttungen während des Zeitraums der Beteiligung am Pool relevant. Bezogen auf die steuerliche Einordnung für die Gewinnausschüttungen während der Teilnahme am Pool werden unterschiedliche Rechtsauffassungen vertreten. Dies hängt damit zusammen, dass es sich bei dem Liquidity Mining um einen neuartigen Trend handelt und sich die Finanzgerichte mit der steuerrechtlichen Einordnung noch nicht befasst haben. Ebenfalls steht eine Stellungnahme des deutschen Bundesfinanzministeriums (BMF) zu dieser Thematik zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch aus.  Gewinnausschüttungen in Deutschland von Gewinnen durch die Teilnahme am Liquidity-Pool werden als Kapitaleinkünfte zu behandeln sein und unterliegen damit der deutschen Kapitalertragsteuer in Höhe von 25%.

In Luxemburg könnte diese Auffassung auch durch die luxemburgische Steuerverwaltung vertreten werden und entsprechend Artikel 97 LEStG beim Liquidity Provider entsprechend seinem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Im schlechtesten Fall zum Spitzensteuersatz von 42% in Luxemburg. Auf den impermanent loss im DeFi Space wird hier nicht näher eingegangen, da diese unrealisiert sind und dementsprechend steuerlich während der Haltedauer im Liquidity Pool unbeachtlich sind.

3. Rücknahme aus dem Pool

Schließlich hat der Austritt aus dem Pool die Konsequenz, dass der Nutzer seine eingebrachten Handelspaare zurückerhält. Der Wiederkauf der Handelspaare kann dabei in unterschiedlichem Umfang im Vergleich zum Zeitpunkt der Hingabe der Tokens erfolgen. Die Haltefrist für die wiedererhaltenen Crypto currency beginnt nach Erlangung der Coins bei Null. Bei den Gewinnen oder Verlusten (Realisierung des impermanent loss) aufgrund des Austritts aus dem Pool handelt es ich auch um Einkünfte aus Kapitalvermögen, die in Luxemburg gemäß Artikel 97 LEStG zu versteuern wären.

Bei einer Annahme, dass die luxemburgische Steuerverwaltung die  Kapitaleinkünfte verneinen sollte, dann könnte man den Liquidity Token in Luxemburg nach 6 Monaten Haltefrist steuerfrei verkaufen. Insofern besteht ein steuerliches Risiko innerhalb von 6 Monaten auszutreten.

Die interessante Frage, die sich hier stellt ist der zusätzliche Erhalt von Governance Tokens. Werden diese erhaltenen Governance Tokens genauso behandelt wie erhaltene Tokens aus Airdrop oder Staking?

Die oben aufgeführten Informationen ersetzen keinesfalls eine rechtliche oder steuerliche Beratung aufgrund der Komplexität der Materie.

Die Informationen wurden mit größter Sorgfalt zusammengestellt. Für die Richtigkeit der Informationen übernimmt die jinfa S.à r.l. jedoch keine Gewähr. Für Verbesserungsvorschläge, sachliche Hinweise und Anregungen sind wir jederzeit dankbar.

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